„Tja, Männerdomäne halt!“, sagt Linda Tannhäuser. Und meint das Teilnehmerfeld des Trainer-Lehrgangs, den der Fußballverband Sachsen-Anhalt (FSA) momentan anbietet. Und der viiiiiielen Kerlen (genauer: 21), aber inklusive Linda eben auch drei Frauen, im August bestenfalls die B-Lizenz beschert. Das ist die höchste Stufe der Trainerausbildung auf Verbandsebene.
Warum wir gerade jetzt darüber schreiben? Nun, weil der Verband das Fokusjahr Frauenfußball ausgerufen hat, und weil dies der 35-jährigen Hallenserin einen ordentlichen Zuschuss verschafft. Linda profitiert von einem eigens ausgelobten Stipendium für angehende Trainerinnen: 600 Euro gibt’s dazu. „Ohne diesen Rabatt hätte ich mir das bei 1500 Euro Normaltarif gut überlegen müssen“, sagt die Lehrerin und Mama dreier Kids.
Jetzt ist sie mit Leib und Seele dabei, absolviert für die Lizenz über ein knappes halbes Jahr hinweg sowohl Präsenztreffen in Halberstadt als auch diverse digitale Anteile. „Das hat alles ein ganz hohes Niveau. Kein Vergleich zur C-Lizenz, die relativ entspannt zu meistern war“, meint Linda. Den Platz gab’s nicht geschenkt: Es gibt deutlich mehr Bewerbungen als Lehrgangsteilnehmer. Und die mussten sich alle sowohl sportlich als auch per Eignungsgespräch qualifizieren.
Respekt!
„Allein unsere Teilnahme verschafft uns also schon Respekt“, sagt Linda und meint ihre beiden Wegbegleiterinnen aus Magdeburg gleich mit. Dass ihre männlichen Kollegen den Fußball-Damen immer mal ein erstauntes „Mensch, du hast‘s ja richtig drauf!“ entgegenrufen, sieht sie mit gemischten Gefühlen: „Einerseits ist das eine Respektsbezeugung, die mich wirklich freut. Andererseits hat es auch wieder diesen abwertenden Touch – als sei es für eine Frau ein großes Wunder, was zu können.“
Wobei eins natürlich stimmt: Quantitativ sind die Damen den Herren hoffnungslos unterlegen. Fußballspielende Frauen sind eine Rarität, trainierende Frauen erst recht. Gerade deshalb gibt es ja das Fokusjahr samt Stipendium.

Linda Tannhäuser (links) und Leonie Grünwald, hier mit Ausbilder Nick Struy, freuen sich über das Stipendium für die B-Lizenz. Die präsentierten Dokumente sind pures Geld wert: 600 Euro weniger kostet der Lehrgang für die beiden. Foto: FSA
Männer oder Mädchen!
Für Linda Tannhäuser kommt die nächste Stufe des Trainerscheins gerade recht. „Ich bin genau an der richtigen Stelle. Noch kann und will ich spielen. Aber perspektivisch – so mit 35 Jahren betrachtet – da muss es irgendwann der Spielfeldrand werden.“ Und da sieht sich die Spielertrainerin von Rotation Halle, deren Spielgemeinschaft Rotation/HSC/Halle-Neustadt in der Landesliga kickt, übrigens eher im Männerspielbetrieb. Oder beim Heranführen junger Spielerinnen.
Gerade letzteres, das würde Halles Frauenfußballverantwortlichen extrem freuen: „Wenn hier jemand mit viel Erfahrung und hoher Motivation an einer ganz wichtigen Stelle einsteigt, ist das Gold wert“, sagt Thomas Siegmann über einen Bereich, in dem jüngere Fußball-Mädels zuweilen in sächsischen Ligen mitkicken, weil es hier zu wenig weibliche Teams gibt.
Von Kindesbeinen an!
Und das ist, zumindest ein bisschen, auch eine dieser typischen „Etwas-zurückgeben-wollen“-Geschichten. Denn Linda Tannhäuser selbst steckt von Kindesbeinen an in Fußballschuhen. Die Vogtländerin kam 2009 nach Halle, spielte zuvor für mehrere Vereine in Sachsen. Die Mama: Inhaberin einer Sportkneipe. Der Papa: selber Trainer. Und so ist Aussteigen überhaupt kein Thema: „Das macht mein Fußballerherz gar nicht mit!“
Apropos Fußballerherz: Das schlägt so gewaltig, dass ihre Kids die Mama an gleich vier Tagen pro Woche mit dem Hobby teilen müssen. Denn bei Rotation ist Linda nicht nur mittrainierende Spielerin (zweimal Training, einmal Spieltag), sondern auch im Leitungsteam der Fußballabteilung.
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